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Dead Man Walking

von Sven Vobig

Dead Man Walking ist die zweite Regiearbeit des US-Amerikaners Tim Robbins aus dem Jahre 1995, der das Thema Todesstrafe aufgreift. Er erzählt die wahre Geschichte der Ordensschwester Helen Prejean, deren gleichnamiges Buch Tim Robbins als Vorlage für seinen Film diente.
Der seit sechs Jahren in der Todeszelle sitzende Matthew Poncelet (verkörpert durch Sean Penn, der eine Oscarnominierung für seine Leistung erhielt), verurteilt wegen Vergewaltigung und Mord, wendet sich wenige Tage vor seiner Hinrichtung an die katholische Nonne Helen Prejean (gespielt von Susan Sarandon, die für ihre Darstellung mit dem Oscar ausgezeichnet wurde). Helen, eine Gegnerin der Todesstrafe, soll ihm helfen seine Strafe in lebenslange Haft umzuwandeln. Bei ihrem ersten Treffen, findet sie zu ihrer Überraschung einen rassistischen, arroganten, sexistischen Menschen vor, der vor Allem keinerlei Anzeichen von Reue zeigt, sondern seine Tat noch immer vehement abstreitet.
Helen versucht ihm trotzdem zu helfen, und nimmt dabei Kontakt zu seiner Familie auf, aber auch mit den Familien der Opfer. Diese reagieren mit Unverständnis und sogar Wut, weshalb sich die Nonne für den asozialen Mörder einsetzt und nicht für die Hinterbliebenen der Opfer. Sie versucht ihm aber auch dabei zu helfen seine Tat einzugestehen, um Frieden zu finden, dies geschieht in mehreren Gesprächen zwischen Helen und Matthew.
Doch erst als das letzte Gnadengesuch vom Gouverneur abgelehnt wurde und die Todesspritze unweigerlich auf ihn wartet, beginnt Poncelets Fassade langsam zu bröckeln. Er beginnt sich mit der Tat auseinanderzusetzen, und er beginnt zu bereuen.
„Toter Mann kommt“ (Dead Man Walking) hallt es durch die Gänge des Gefängnisses, als Poncelet in Richtung Exekutionsraum geführt wird. In dem Moment, als er auf den Metalltisch festgeschnallt wird und die Injektionen unmittelbar bevorstehen, erkennt man tiefste Reue in seinem Gesicht, wenn er sich unter Tränen bei den Hinterbliebenen der Opfer seines Verbrechens entschuldigt. In diesem Moment sieht man auch das erste Mal seine Tat, den grausamen Mord an zwei Teenagern in schwarz-weiß-Rückblenden.
Die erste Injektion enthält ein Beruhigungsmittel, die zweite lässt die Lungen implodieren, bei der dritten bleibt das Herz stehen. Zwei Techniker (keine Scharfrichter) betätigen jeweils einen Knopf, von denen einer den Mechanismus in Gang setzt, um die Tötung nur ja niemandem individuell zurechnen zu können. Der Todeskampf findet im Stillen statt, der Verurteilte fechtet seinen Kampf mit geschlossenen Augen und gelähmt aus, weil ihm die erste Injektion bereits die Muskulatur gelähmt hat. Es wird deutlich welch mechanistische Tötungsmaschinerie hier am Werke ist.
Gerade deswegen wird er Film vielfach als ein Appell gegen die Todesstrafe gesehen. Diese Interpretation greift aber ein wenig zu kurz. Dead Man Walking ist ein Film, der sich auf äußerst differenzierte Art mit dem Thema der Todesstrafe auseinandersetzt, und dabei weder die Täter-, noch die Opferseite aus den Augen verliert. Es wird auch den Hinterbliebenen zugestanden unnachgiebig gegenüber dem Täter zu sein, was man an der Figur des Earl Delacroix, dem Vater des ermordeten Teenagers sehen kann, wenn dieser zu Helen sagt: „Ich fühle sehr viel Hass, ich habe nun mal nicht ihren Glauben.“


Literatur:

Schnabel, Norbert: Wenn Gott ins Kino geht, Wuppertal 2004.

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