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Full Metal Jacket

von Sven Vobig

Full Metal Jacket ist einer der letzten Filme von Stanley Kubrick. Er adaptierte dabei den Vietnamkriegsroman „The Short Timers“ von Gustav Hasford, der in diesem Roman seine eigenen Vietnamerfahrungen verarbeitet hat. In die Kinos kam der Film im Jahr 1987 und wurde zu Kubricks größtem kommerziellem Erfolg. Der Name des Films bezieht sich auf den englischen Begriff für ein Vollmantelgeschoss (full metal jacket bullet).
Der erste Teil des Films zeigt die Ausbildung von jungen Rekruten im Marine-Ausbildungslager von Parris Island. Dort sollen die angehenden Soldaten vom erbarmungslosen Drill-Instructor Gunnery Sergeant Hartman (gespielt vom ehemaligen US-Soldat Ronald Lee Ermey) in nur acht Wochen auf ihren Einsatz in Vietnam vorbereitet werden. Seine Vorgehensweise ist dabei recht simpel: er versucht durch andauernde Beleidigungen und seine Fäkalsprache den Willen und die Individualität seiner Rekruten zu brechen. Sein Ziel ist es aus ihnen „Maschinen“ und „Killer“ zu machen, die als ein Rädchen in der US-Militärmaschinerie funktionieren ohne Befehle weiter in Frage zu stellen.
Der Erzähler der Geschichte ist Private Joker, der von Hartman seinen Spitznamen aufgrund einer vorlauten Bemerkung bekam. Überhaupt reizt er den Drill-Instructor immer wieder durch seine unorthodoxen Einstellungen. Doch weil dieser ihn auch für seine ehrliche Art schätzt, überträgt er ihm im Laufe der Ausbildung sogar das Kommando über eine Gruppe.
Eine weitere Hauptfigur ist der von Hartman als Private Pyle verspottete übergewichtige Leonard Lawrence (gespielt von Vincent D’Onofrio). Hartman stellt ihn immer wieder vor den anderen bloß und macht ihn dadurch zum Gespött, was ihn zum Außenseiter der Gruppe macht. Als Hartman für eine Verfehlung von Lawrence nicht ihn persönlich, sondern die ganze Gruppe bestraft, lassen diese ihren Ärger nachts an ihm aus und verprügeln ihn. Joker, der ihn bisher immer noch in Schutz genommen hatte, schlägt dabei am härtesten zu.
In der Folge verändert sich Lawrence. Er beginnt mit seiner Waffe zu sprechen und sondert sich immer mehr von den anderen ab. Auch wenn er jetzt nicht mehr ganz so massiv den Torturen durch Hartman ausgesetzt ist, weil dieser den exzellenten Schützen in Private Pyle entdeckt hat. Am letzten Abend der Ausbildung eskaliert die Situation dann. Lawrence bricht unter dem Druck der Ausbildung zusammen und erschießt nachts auf dem Klo zuerst den Ausbilder und im Anschluss sich selbst.
Der zweite Teil spielt dann in Südvietnam, wo sich für die Soldaten die in der Ausbildung so oft beschriebene Hölle öffnet. Während dem Tet-Fest beginnen die nordvietnamesischen Truppen des Vietcongs eine Offensive. Joker ist Kriegsberichterstatter für „Stars und Stripes“ und erhält zusammen mit seinem Kollegen Rafterman den Auftrag über ein Platoon zu berichten, das die Stadt Hue sichern soll.
Dieses Platoon wird von Jokers ehemaligem Mitrekruten Private Cowboy angeführt. Zusammen mit dem Trupp rücken die beiden Reporter in die Stadt vor, wo sie in den Hinterhalt eines Heckenschützen geraten. Cowboy ordnet den Rückzug an, die Soldaten widersetzen sich jedoch, weil ein verwundeter Kamerad noch in der Schusslinie liegt. Den Soldaten gelingt es den Heckenschützen ausfindig zu machen, es handelt sich um eine junge Frau. Schwer verletzt bettelt die junge Vietnamesin um einen Gnadenschuss, den ihr alle außer Joker verweigern wollen. Joker tötet sie.
Full Metal Jacket wird aufgrund seiner schonungslosen Darstellung von militärischer Ausbildung und Krieg häufig als Anti-Kriegsfilm verstanden, sein Schöpfer Stanley Kubrick widerspricht dem jedoch. Er glaubt, dass der Film so viel Zuspruch erhielt gerade, weil er sich weder für noch gegen den Krieg ausspricht, sondern vielmehr als ein Symbol des Krieges an sich stehen soll.


Literatur:

Klein, Thomas et. al. (Hg.): Filmgenres. Kriegsfilm, Stuttgart 2006.

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