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Hitchcocks Psycho

von Sven Vobig

Psycho basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert Bloch. Dieser wurde vom Fall des Ed Gain zu seiner Romanfigur Norman Bates inspiriert. Ed Gain war ein Sonderling, der um seinen Wissensdurst zu stillen Leichen ausgrub. Wenn die Leichen einmal knapp wurden, tötete er. Gain lebte auf einer Farm, die er mehr und mehr verkommen lies; nur das Zimmer seiner Mutter hielt er in tadellosem Zustand.
Bloch, der nur wenige Meilen von Ed Gains Heimatort entfernt wohnte, ließ den Protagonisten ein Motel betreiben, um ihm genügend Fremde als potenzielle Opfer zuzuspielen. Zudem ließ er Bates die Morde in einem Zustand des Gedächtnisverlustes begehen. Hierzu bediente er sich des Freud’schen Ödipuskomplexes, der sich zu dieser Zeit großer Beliebtheit erfreute.
Verfilmt wurde der Stoff dann schließlich von Alfred Hitchcock und kam 1960 in die Kinos, wo er sich zu einem großen Erfolg entwickelte. Im ersten Verleihjahr spielte er 15 Millionen Dollar ein, eine unglaubliche Summe für eine Zeit, als die Kinokarte noch 70 Cents kostete. Für vier Oscars 1961 nominiert, ging er jedoch leer aus. Im Jahre 2001 wurde Psycho vom American Film Institute zum besten amerikanischen Thriller aller Zeiten gewählt.
Psycho beginnt damit, dass Marion Crane, gespielt von Janet Leigh, mit 40.000 Dollar ihres Chefs flieht, um sich die Hochzeit mit ihrem Freund leisten zu können, den sie bisher nur in billigen Absteigen treffen kann. Auf ihrer Flucht kommt sie an das Motel von Norman Bates (Anthony Perkins) und übernachtet dort.
Bates leitet das Hotel mit seiner kranken Mutter, die er im benachbarten viktorianischen Herrenhaus pflegt. Marion wird Zeuge eines Streitgespräches zwischen Mutter und Sohn. Nach einem Abendessen mit Bates, überkommt Marion das schlechte Gewissen und sie fasst den Entschluss das Geld wieder zurück zu geben. Nachdem sie diesen Entschluss gefasst hat, geht sie duschen, wo sie von Bates, der als seine Mutter verkleidet ist (dem Zuschauer ist nicht klar, dass es sich in Wirklichkeit um Norman Bates handelt), umgebracht wird. Diese Szene der Ermordung von Marion ist eine der bedeutendsten der Filmgeschichte. Mit über 40 Schnitten in drei Minuten ist die Szene eine Novität zu der Zeit gewesen, obgleich sie nichts weiter zeigt, als eine Frau, die duscht, erstochen wird und niedersinkt. Obwohl man nicht einmal sieht, wie das Messer die Haut der Frau berührt, jagt einem die Szene auch heute noch einen Schauer über den Rücken.
Marions Arbeitgeber schaltet nicht die Polizei, sondern einen Privatdetektiv ein, Milton Arbogast (Martin Balsam). Auch dieser kommt zu Bates Motel, wo er misstrauisch wird, weil dieser sich in Widersprüche verwickelt. Beim Versuch Kontakt mit Bates Mutter aufzunehmen, den dieser untersagt hatte, wird auch er von Bates in den Kleidern seiner Mutter ermordet.
Marions Schwester Lila, die Kontakt mit dem Detektiv hatte, und Marions Freund Sam machen sich nach dem Verschwinden von Arbogast auf, um der Sache auf den Grund zu gehen. Als sie vom örtlichen Sheriff informiert werden, dass Bates Mutter bereits seit 10 Jahren tot ist, mieten sie sich inkognito ein.
Während Sam Norman Bates ablenkt schaut sich Lila im Haus der Bates um. Dort entdeckt sie schließlich im Keller auf einem Stuhl die mumifizierte Leiche von Mrs. Bates. In diesem Moment betritt Norman Bates in Frauenkleidern und mit Perücke den Keller. Zuvor hatte er Sam niedergeschlagen, nachdem er Verdacht geschöpft hatte. Nun versucht er Marion umzubringen, was Sam im letzten Moment verhindern kann.
In der Abschlussszene, die vielfach kritisiert wird, erfährt der Zuschauer dann vom örtlichen Polizisten die Hintergründe von Bates psychischer Störung. Bates hatte aus Eifersucht seine Mutter und ihren Liebhaber umgebracht. Danach hatte er ihren Leichnam gestohlen, um das Verbrechen gewissermaßen ungeschehen zu machen. Um die Illusion perfekt zu gestalten imitiert er sogar ihre Stimme und beginnt Dialoge mit ihr. Und er ermordet jede Frau, die ihn interessiert als seine krankhaft eifersüchtige Mutter.


Literatur:

  • Hahn, Ronald M./ Giesen, Rolf: Alfred Hitchcock, München 1999.
Vossen, Ursula (Hg.): Filmgenres. Horrorfilm, Stuttgart 2004.

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