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Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs)

von Sven Vobig

Das Schweigen der Lämmer ist ein Film aus dem Jahre 1991, der von Jonathan Demme mit Jodie Foster und Anthony Hopkins in den Hauptrollen verfilmt wurde. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Harris aus dem Jahre 1989. Als der Roman kurz nach seinem Erscheinen erstmals die Runde in Hollywood machte, zeigte sich Demme wenig beeindruckt von dem Stoff: „Junge FBI-Agentin jagt Serienmörder mit der Hilfe eines wahnsinnigen Psychiaters… das war nicht gerade etwas, was mich interessiert hätte“, gab Demme zu Protokoll. Seine Meinung änderte sich allerdings, nachdem er mit dem späteren Drehbuchautor Ted Tally gesprochen hatte. Ihn faszinierte die Tatsache, dass die weibliche Protagonistin nie in sexueller Gefahr schwebt. Und das der Film nicht von offensichtlichen Horrorszenen lebt, sondern von der Erwartung.
Nachdem sich Autor und Regisseur somit gefunden hatte, ging die Suche nach der geeigneten Besetzung los. Demme sprach sich entschieden gegen eine Verpflichtung von Megastars wie Jack Nicholson oder Robert de Niro aus, weil er die Befürchtung hatte, ein solcher Star könnte zu viel Aufmerksamkeit auf seine schauspielerische Leistung lenken, weg von der Handlung, dem Psychoduell zwischen Clarice und Lecter. Schließlich entschied man sich für den wenig bekannten, dafür aber brillanten britischen Bühnen- und Filmschauspieler Anthony Hopkins. Die Rolle seiner Gegenspielerin Clarice Starlin besetzte man mit der weltweit anerkannten Schauspielerin Jodie Foster.
In Das Schweigen der Lämmer kommt das FBI auf der Jagd nach dem Serienkiller Buffalo Bill, gespielt von Ted Levine, nicht weiter. Dieser entführt und tötet junge übergewichtige Frauen, bevor er sie dann schließlich häutet. Das FBI schickt deshalb die junge psychologisch geschulte Studentin Clarice Starling zum inhaftierten Psychiater und Kannibalen Hannibal Lecter, um ihm Informationen über die Identität von Buffalo Bill zu entlocken. Lecter ist in einem Hochsicherheitsgefängnis untergebracht, in einer Plexiglaszelle im Keller des Gebäudes, wo ihn Starling daraufhin besucht. Buffalo Bill ist ein ehemaliger Patient von Lecter, der aber Informationen nur gegen private und intime Geheimnisse von Starling tauscht. Dadurch beginnt das Psychoduell zwischen dem genialen Monster und der unbedarften FBI-Studentin.
Eine neue Situation tritt ein, als Bill die Tochter einer Senatorin entführt. Lecter wird, sollte er entscheidend dazu beitragen Buffalo Bill zu finden die Verlegung auf eine Insel versprochen, wo er im Freien spazieren und sogar im Meer schwimmen können soll. Bei seiner Verlegung gelingt Lecter dann schließlich die Flucht, bei der er mit äußerster Brutalität und Perfidität vorgeht.
Clarice findet schließlich Buffalo Bill in seinem Haus bei einer Routinebefragung und es kommt zum Showdown zwischen den Beiden, weil das FBI auf der falschen Fährte ist. Die Filmfigur Buffalo Bill setzt sich aus drei verschiedenen realen Serienmördern zusammen. Der erste ist Ed Gein, der auch für Hitchcocks Norman Bates Pate stand. Dieser lebte verwahrlost und hielt die Kleider seiner verstorbenen Mutter in tadellosem Zustand, wahrscheinlich trug auch er die Haut seiner Opfer und betrachtete sich dabei im Spiegel. Das zweite Vorbild war Ted Bundy, von dem Buffalo Bill Trick übernahm mit einem falschen Gips Mitleid bei seinen Opfern zu erwecken. Das letzte Vorbild war schließlich Gary Michael Heidnik, der seine Opfer in einem selbst ausgehobenen Verlies im Keller einsperrte.
Die Darstellung des Buffalo Bills brachte Jonathan Demme harsche Kritik von Homosexuellengruppen ein. Argumentiert wurde, dass die homosexuelle Darstellung des Serienkillers Vorurteile gegen Schwule und Lesben weiter schüren würde. Diese Auslegung des Charakters von Buffalo Bill war von Demme nicht intendiert. Auch als eine Art von Reaktion auf diese Beschuldigungen, drehte Demme im darauf folgenden Jahr das Drama „Philadelphia“, das die Aids-Erkrankung eines Homosexuellen zum Thema hat.
Das Schweigen der Lämmer war bei Publikum und Kritikern ein riesiger Erfolg. Sieben mal für den Oscar nominiert, räumte er die fünf Oscars in den wichtigsten Kategorien ab. Ein Erfolg, der zuvor nur zwei Filmen gelungen war (Es geschah in einer Nacht, Einer flog über das Kuckucksnest).


Literatur:

  • Fischer, Robert: Jodie Foster. Hollywoods Wunderkind, München 1993.
Hickethier, Knut et. al. (Hg.): Filmgenres. Krimalfilm, Stuttgart 2005.

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