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Taxi Driver

In Taxi Driver geht es um den 26jährigen Travis, dargestellt von Robert de Niro, der jahrelang in Vietnam gekämpft hat. Nun muss er sich wieder im Alltagsleben eines Durchschnittsamerikaners zurechtfinden. Er bewohnt eine kleine Single- Wohnung und lebt isoliert. Er hat keine Freunde und keinen richtigen Kontakt zu seiner Familie. Gelegentlich schreibt er  Briefe an seine Eltern, in denen er ihnen etwas von seinem tollen Leben vorlügt. Auch schreibt er Tagebuch. Weil er nachts nicht schlafen kann, nimmt er einen Job als Taxifahrer an. Er fährt im Gegensatz zu seinen Kollegen auch in die schlimmsten Gegenden von New York. Andere Taxifahrer trauen sich aus Angst vor Überfällen dort nicht hin. Die Fahrgäste sind Prostituierte, Freier und Zuhälter, Kriminelle und Junkies. Travis fühlt sich von ihnen angeekelt, sie sind für ihn ein Haufen Dreck. Am Liebsten würde er die Stadt säubern. Er selbst hat einen durchstrukturierten Tagesablauf. Morgens macht er Gymnastik und Hanteltraining, täglich schreibt er in sein Tagebuch, er trinkt nicht und raucht nicht. In seiner Einsamkeit stellt das Tagebuchschreiben eine Art der Kommunikation für ihn dar. Ein Satz lautet zum Beispiel „Ein Tag ist wie der andere, eine lange endlose Kette ins Nichts“. Auf einen seiner Taxifahrten entdeckt er im Fenster eines Wahlkampfbüros die blonde Betsy. Sie fasziniert ihn sofort. Er fährt öfter zum Wahlkampfbüro und beobachtet sie vom Taxi aus. Sie arbeitet dort als Wahlhelferin. Für ihn symbolisiert sie eine reine, weiße Engels-Gestalt, die ihn aus seiner Einsamkeit erlösen könnte. Als er sie endlich anspricht, merkt der Filmzuschauer, wie direkt und konventionslos Travis den Kontakt sucht. Trotzdem schafft er es durch seine Hartnäckigkeit, eine Verabredung mit Besty zu vereinbaren. Er ist von ihr hingerissen und steigert sich bereits am Anfang in der Beziehung mit ihr hinein. Sein Fehler ist, dass er Betsy in ein Pornokino schleppt. Daraufhin ergreift sie angewiedert die Flucht. Danach bricht sie den Kontakt mit Travis ab. Er bleibt hartnäckig, schickt ihr Blumen, ruft sie an, alle Bemühungen ohne Erfolg. Sein erster menschlicher Kontakt im Film Taxi Driver ist somit abgebrochen. Er ist wieder allein. Ziellos, frustriert und deprimiert fällt er wieder in sein Leben zurück. Die nächste Wandlung bringt die Begegnung mit einer minderjährigen Prostituierten, gespielt von Jodie Foster, mit sich. Travis setzt sich in den Kopf,  Iris aus der Prostitution zu befreien. Nun ist sein ganzes Denken auf seine neue moralische Pflicht, der Retter einer Minderjährigen zu sein, ausgerichtet. Für seine Mission kauft er sich zunächst ein komplettes Waffenarsenal. Er beginnt mit den Waffen vor dem Spiegel zu posieren, damit zu trainieren und seinen Körper zu trainieren. Er rasiert sich einen Irokesen. Die Spannung des Films spitzt sich an dieser Stelle zu, der Zuschauer erhält den Eindruck, Travis plane einen Amoklauf und ist nun völlig durchgeknallt und psychophatisch. Zuerst versucht er einen Anschlag auf den Präsidentschaftskandidaten zu verüben. Wohl aus beleidigtem Ego, dass Betsy ihn verschmäht hat. Da er aber einem Sicherheitsbeamten auffällt, bricht er den Plan ab. Danach bricht Travis in das Stundenhotel für Prostituierte ein und läuft dort Amok. Er erschießt jeden, der sich ihm in den Weg stellt und richtet ein furchtbares Blutbad an. Er holt Iris aus ihrem Zimmer und lässt sie, beraubt ihrer Existenzgrundlage, fliehen. Am Ende will er sich selbst erschiessen, sozusagen als krönender Abschluss des Massakers. Als er die Pistole ansetzt und abdrückt, merkt er, dass dummerweise keine Kugel mehr vorhanden ist. Die Polizei und die Krankenwagen erreichen das Hotel und bringen Travis ins Krankenhaus. Während seiner Genesung im Krankenhaus, ist Iris zu ihren Eltern zurückgekehrt. Es stellte sich heraus, dass sie von zu Hause weglief und sich ihre Eltern die ganze Zeit über große Sorgen um die Tochter gemacht haben, sie aber nicht finden konnten. Erleichtert und Froh über die Rückkehr ihrer Tochter, schreiben sie Travis einen Dankesbrief. Auch die Presse veröffentlicht den Brief und erhebt Travis zum selbstlosen Helden. Der Filmzuschauer reagiert etwas irritiert darüber, dass ein Amoklauf nachträglich als Heldentat gepriesen wird. Travis übt Selbsjustiz, in seinem Kopf ist er der Rächer der verdorbenen und verdreckten Welt. Im Grunde sucht er nach Erlösung aus seinem tristen und öden Dasein, die er mit Gewalt zu finden sucht. Am Ende des Films ist Travis ungescholten wieder zu Hause, er ist auch wieder als Taxi Fahrer unterwegs und hat sich in keiner Weise verändert. Auf seine Entladung folgt keine Khatarsis, keine Reue, keine Lebensänderung oder gar Befreiung. Der Kreis schliesst sich nicht, zurück bleibt ein verwirrtes Publikum. Zurück bleibt die Hölle, die Travis Tag für Tag erleiden muss.


Literatur:

Schnabel, Norbert: Wenn Gott ins Kino geht, 50 Filme, S. 187 – 190, Wuppertal, 2004.

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