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Uhrwerk Orange (Clockwork Orange)

von Sven Vobig

Der Film Uhrwerk Orange aus dem Jahre 1971 von Stanley Kubrick basiert auf dem gleichnamigen Roman von Anthony Burgess. Das Projekt, eigentlich aus der Not heraus geboren, weil er durch die schwierige wirtschaftliche Lage Ende der 60er Jahre in der Filmbranche sein ambitioniertes Napoleon-Projekt auf Eis legen musste, war der erste Film Kubricks bei dem er mit einer fertigen Geschichte beginnen konnte und der erste Film bei dem Kubrick das Drehbuch ganz alleine schrieb.
Uhrwerk Orange spielt im England einer fiktiven nahen Zukunft. Die Hauptfigur und der Ich-Erzähler Alex DeLarge (Alexander der Große), meisterhaft verkörpert von Malcolm McDowell, ist ein Jugendlicher, der völlig Amoralisch all das tut, was ihm Freude bereitet: Stehlen, Vergewaltigen, Prügeln. Bis spät in die Nacht zieht er mit seinen Droogs (Dim , Georgie und Pete) durch die Gegend, während seine Em (Mutter) und sein Pe (Vater) glauben, dass er einem Nebenjob nachgeht, um dann am nächsten Tag zu müde zu sein, um in die Schule zu gehen. Alex und seine Droogs verständigen sich in der Nadsat-Sprache, einer auf slawischen Wortstämmen basierenden Kunstsprache, die dem Film eine besondere Atmosphäre verleiht. Trotz all seines asozialen Verhaltens, ist Alex die Identifikationsfigur des Films, was zum einen daran liegen mag, dass die anderen Figuren des Films auf ihre eigene Art und Weise noch verderbter und verabscheuenswürdiger sind, aber eben auch daran, dass er trotz seines Verhaltens menschlich bleibt. Er vereint all die (nach Burgess’ Ethik) menschlichen Grundeigenschaften in sich: die Liebe zur Aggression, Liebe zur Sprache, Liebe zum Schönen. Alex liebt klassische Musik, besonders von Beethoven, hält sich eine Schlange und ist Besitzer zahlreicher (bizarrer) Kunstwerke.
Im ersten Teil des Films können wir Alex und seine Droogs in Aktion sehen. Sie beginnen ihren Abend in der Korova-Milchbar, wo sie verschiedene Milch-Drogen-Mixturen zu sich nehmen, um sich auf das gewalttätige Spektakel der Nacht vorzubereiten. Danach schlagen sie einen alten Obdachlosen zusammen, beginnen eine Schlägerei mit einer rivalisierenden Gang (Billy Boys Gang) und machen eine Spritztour mit einem gestohlenen Auto. Mit diesem gelangen sie schließlich zum Haus des systemkritischen Schriftstellers Mr. Alexander. Sie verschaffen sich durch einen Trick Zugang zum Haus und vergewaltigen Mrs. Alexander vor den Augen ihres Mannes. Eigentlich ist Alex der Führer der Gruppe, aber es regt sich Widerstand bei seinen Droogs, weil sie Überfälle machen wollen, die lukrativer sind, während Alex rein Instinkt gesteuert auf sein Vergnügen aus ist. Eine versuchte Revolte in den eigenen reihen schlägt er dann auch brutal nieder. In der nächsten Nacht wollen sie eine außerhalb der Stadt wohnende Katzenlady ausrauben. Alex verschafft sich Zutritt zum Haus und tötet diese schließlich mit einem überdimensionalen Kunstpenis. Als er das Haus verlässt, um zu fliehen, schlägt ihn Dim mit einer Milchflasche nieder, woraufhin er festgenommen wird.
Der zweite Teil befasst sich schließlich mit der Zeit Alex’ im Gefängnis und seiner Behandlung mit der Ludovico-Therapie. Zunächst wendet sich Alex im Gefängnis dem Glauben zu, wenn er dies auch nur scheinbar tut, um sich Vorteile zu verschaffen. Doch als er dann von einer neuen Behandlungsmethode erfährt, die es einem erlauben soll das Gefängnis umgehend zu verlassen, bemüht er sich in dieses Projekt zu kommen, was ihm auch gelingt. Die Ludovico-Therapie basiert auf den Überlegungen von B.F. Skinner zur klassischen Konditionierung. Alex werden Drogen verabreicht, die ein Übelkeitsgefühl auslösen. Danach werden ihm Filmsequenzen gezeigt, die Gewalt und Sex enthalten, woraufhin eine Abwehrreaktion des Körpers einsetzt: Übelkeit. Durch einen Unfall wird er auch auf die von ihm so geliebte 9. Symphonie von Beethoven konditioniert.
Im dritten Teil wird Alex schließlich als geheilt und auf sich selbst gestellt entlassen. Bei seinen Eltern ist kein Platz mehr für ihn, weil sie sein Zimmer an einen Untermieter vergeben haben, woraufhin Alex ohne konkretes Ziel umherzieht. Dann holt ihn seine Vergangenheit ein, indem er seinen ehemaligen Opfern wieder begegnet. Zuerst wird er von dem Obdachlosen erkannt, der ihn mit einer Gruppe verprügelt. Aus dieser Situation wird er schließlich von zwei Polizisten errettet, von Dim und Billy Boy. Die beiden verschleppen ihn an eine abgelegene Stelle und verprügeln ihn. Auf seiner Flucht landet er schließlich am Haus von Mr. Alexander, der ihn aufnimmt und helfen will. Als er allerdings erkennt, dass es sich um den Vergewaltiger seiner Frau handelt, nimmt auch er Rache. Er betäubt ihn und beschallt ihn mit der 9. Symphonie, woraufhin Alex aus dem Fenster springt, um sich selbst das Leben zu nehmen. Dieser Versuch misslingt und Alex erwacht in einem Krankenhaus. Man hat die Konditionierung rückgängig gemacht und der Innenminister entschuldigt sich höchstpersönlich bei Alex.


Literatur:

Nelson, Thomas Allen: Stanley Kubrick, München 1984.

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