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Die Erfindung von Krankheiten

Ein Zitat von Aldous Huxley lautet: „Die Medizin ist so weit fortgeschritten, dass niemand mehr gesund ist.[1] Der Mensch hat im Laufe seines Lebens einige Krankheiten, angefangen von einer Grippe bis hin zu einem Arm- oder Beinbruch. Auf dem heutigen Markt gibt es eine Vielzahl von Medikamenten gegen alle erdenklichen Leiden. Der komplette Alltag wird medikamentalisiert, das fängt schon bei sog. Wellness- Produkten im Lebensmittelbereich an. Da werden zur Abwehrstärkung bestimmte probiotische Drinks angeboten, die täglich verzehrt einen positiven Effekt auf das Immunsystem bewirken sollen. Es gibt viele Medikamente zur Vorbeugung von Krankheiten. Die Pharmaindustrie schlägt sich damit ein Schnippchen und macht viel Geld für Produkte, die der Mensch gar nicht wirklich benötigt, da er alle wichtigen Stoffe bereits mit einer ausgewogenen und naturbelassenen Nahrung aufnimmt. Genau so ist es mit den Ärzten. Um mehr Patienten zu haben, werden Krankheiten erfunden. Das System besteht seit längerer Zeit und hat sich schleichend etabliert. Eine Methode ist es, den ursprünglichen Behandlungszweck eines Medikamentes auf andere Gebrechen auszuweiten. Ein Beispiel ist eine Wachmacherpille namens Provigil, die in den vereinigten Staaten als Arznei gegen die Krankheit Narkolepsie zugelassen wurde. Es handelt sich dabei um ein Leiden, dass mit plötzlichen Schlafanfällen verbunden ist. Um dieses Medikament noch weiter vermarkten zu können, werden weitere Anwendungsgebiete dafür gesucht. Zum einen hat die Herstellerfirma eine Studie finanziert, die überprüft, ob diese Wachmachertablette auch unruhigen Kindern hilft. Zum anderen wurde eine neue „Krankheit“ eingeführt, welche als Nachtschichtschlafstörung benannt wurde.[2] Hier sieht man gut den Mechanismus, der für die Marketing- und Verkaufsstrategie der Pharmaunternehmen in Gang gesetzt wird. 1998 wurde in den Medien beispielsweise von einem „Sisi – Syndrom“ gesprochen, womit Menschen gemeint sind, die zwar nach außen hin sehr freundlich und glücklich scheinen, in Wirklichkeit aber unter einer Depression leiden und ein mangelndes Selbstbewusstsein aufweisen. Natürlich eine Farce. Jeder hat mal schlechte Tage und ich nicht gut drauf. Auch andere Branchen müssen ihre Produkte verkaufen, so auch die Gesundheitsbranche. Etwas zu verkaufen, was die Leute auch brauchen, stellt nur ein Bedienen dar. Richtiges Verkaufen fängt da an, wo man den Menschen etwas offeriert, was sie eigentlich gar nicht brauchen oder nicht kaufen würden. Aber wenn jeder gesund ist, dann benötigt niemand Produkte der Pharmaindustrie und diese geht Pleite. So müssen Krankheiten her und der Umsatz wird angekurbelt. Die  gesamten Pharmaindustrien hatten im Jahr 2001 ein Wachstum von 18 Prozent. [3] An die Krankenkassen, die das deutsche Gesundheitssystem vorsieht, gibt man um die 14 Prozent seines Einkommens ab.  Methoden der Pharma- und Gesundheitsindustrie neue Krankheiten zu erfinden sind folgende. Erstens ist es kreativ, wenn normale Alltagsprozesse oder Lebensabschnitte als Krankheit verkauft werden. Als Beispiel könnte man die weiblichen Wechseljahre oder den Haarausfall nehmen. Zweitens kann man soziale oder persönliche Probleme als Krankheit verkaufen. Gerade im psychologischen Bereich gibt es zig Diagnosen, es passen sogar mehrere auf eine Person. So wird Schüchternheit, die auch im gewissen Rahmen nichts ungewöhnliches ist, als Soziale Phobie umgemünzt. Propagieren genügend Werbeagenturen, die von Firmen dafür finanziert werden, solche oder ähnliche Tatbestände und werde zusätzlich entsprechende Studien von der Firma im Auftrag gegeben, dann kann die öffentliche Meinung stark beeinflusst werden und sogar die behandelnden Ärzte machen mit. Hinzu kommt ein junger Skandal, der darum handelte, dass Ärzte besonders häufig Produkte eines Arzneimittelherstellers verschrieben und dafür eine Art Provision erhielten. Drittens kann man auch Risiken als Krankheiten verkaufen. Osteoporose, der Knochenschwund, der im Alter auftritt wurde zur offiziellen Krankheit erklärt. Anhand der Lebensumstände und der Erbanalgen gibt es bestimmte Risiken an Osteoporose zu erkranken. Viertens werden seltene Symptome als Seuchen vermarktet. Die Impotenz der Männer breitet sich seit kurzer Zeit in der Gesellschaft aus. Interessant ist, dass dies erst seit Erfindung der Viagra im zunehmenden Maß der Fall ist. Auch leichte Leiden, wie das neue Reizdarmsyndrom, wird als Signal für ein späteres Magengeschwür oder ähnliches gewertet. Eigentlich wurden bisher psychosomatische Ursachen dafür in Betracht gezogen, wie Stress oder unterdrückte Wünsche und fehlende Entspannung. Mittlerweile gibt es aber Medikamente zur Magenberuhigung. Die Firmen arbeiten mit Hilfe von Studien und Schulungsprogrammen gezielt darauf hin, dass die Ärzte selbst davon überzeugt werden, dass beim Reizdarmsyndrom eine Krankheit vorliegt. Man ist also vielleicht gesünder als man denkt. Man sollte sich immer fragen, wer erfunden hat, dass der aktuelle Zustand eine Krankheit ist. Man kann es auch mit Humor betrachten und sich sagen, dass das Leben die schrecklichste Krankheit ist, denn sie führt ohne ein Medikament immer und mit großer Sicherheit zum Tode. Das Leben sei daher zu genießen und nicht mit erfundenen Wehwehchen auszufüllen.


Textangabe:

  1. Blech, Jörg: Die Krankheitserfinder, Wie wir zu Patienten gemacht werden, Frankfurt am Main, 2005, S. 11
  2. s.o., S. 14.
  3. s.o., S.19.

Literatur:
1. Blech, Jörg: Die Krankheitserfinder, Wie wir zu Patienten gemacht werden, Frankfurt am Main, 2005


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